Antigone

Tragödie von Sophokles / aus dem Griechischen von Alfred S. Kessler 

Inszenierung: Alexander Netschajew 

Premiere: 2.9.2017 / 19.30 Uhr / Großes Haus

 

»Ungeheuer ist viel, doch nichts ist ungeheurer als der Mensch.« Chor

 

Im blutigen Kampf um die Macht in Theben töten sich Antigones Brüder Eteokles und Polyneikes gegenseitig. Ihr Onkel Kreon wird neuer König. Um des gesellschaftlichen Friedens willen verfügt er, dass Eteokles, der die Stadt verteidigte, ruhmhaft begraben werde. Polyneikes aber, den Aufrührer, soll noch nach dem Tode die größte Schmach treffen: Unbeerdigt soll er auf dem Schlachtfeld liegenbleiben, den Vögeln und Hunden zum Fraße. Die Todesstrafe droht jedem, der dieses Gesetz missachtet.

 

Antigone akzeptiert das politische Dekret nicht. Unbestattet findet Polyneikes keinen Einzug ins Totenreich, also bedeckt sie den Bruder mit Erde – so verlangt es das göttliche Gesetz. Für ihre Überzeugung, dass die göttlichen Gesetze höher zu achten seien als die menschgemachten, geht Antigone unbeirrt in den Tod. 

 

Was zählt mehr: das Gesetz des Staates oder das ungeschriebene, das moralische Gesetz? Sophokles’ Tragödie thematisiert einen der wesentlichen Konflikte, die die abendländische Zivilisation seit ihrer Geburt begleiten: Der Staat, geschaffen zum Schutz der Lebensinteressen des Einzelnen, gerät mit seinen eigens dafür konstruierten Gesetzen immer wieder in Widerspruch zu eben jenen Interessen, die er zu schützen sucht. Muss der Einzelne mit seinen (familiären oder religiösen) Interessen zurücktreten hinter den Interessen der Gemeinschaft? Und wenn ja, warum sollte er dann die Gesetze des Staates als bindend betrachten?

  

»Antigone, die Schreckliche: Arrogant, aufrührerisch, unempfänglich für guten Rat. Oder Antigone, die schrecklich Tapfere, die uns gemahnt an die Würde des Menschen.« Alexander Netschajew


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