Die Wiedervereinigung der beiden Koreas

Schauspiel von Joël Pommerat 

Deutsch von Isabelle Rivoal

Inszenierung: Cordula Jung

Premiere: 1.9.2018 / 19.30 Uhr / Großes Haus

 

»Wir waren wie zwei Hälften, die sich wiederfanden. Es war, als wenn Nordkorea und Südkorea ihre Grenzen öffnen und sich wiedervereinigen würden, als wenn Leute, die sich jahrelang nicht sehen durften, wieder zusammenkommen würden.« Der Mann

 

Eine Frau stellt über ihre Ehe fest: Es gibt keine Liebe zwischen uns. Die Kinder sind aus dem Haus. Es gibt keinen Grund mehr, um bei ihrem Mann zu bleiben. Sie wählt die Einsamkeit statt des Lebens ohne Liebe.

 

Ein Pfarrer will die regelmäßigen Besuche bei einer Prostituierten einstellen, da er jemanden kennengelernt hat. Eine Frau. Für ihn die natürliche Konsequenz aus einer moralischen Frage. Für sie, die von einer beidseitig tiefen, emotionalen Bindung ausgegangen ist, ein herber Schlag.

 

Tag für Tag besucht ein Mann seine demente Frau. An ihn, die gemeinsamen Kinder und die Liebe, die es zwischen ihnen gab, erinnert sie sich nicht. Jedes Treffen verläuft ähnlich. Als Fremder fängt er mit ihr am nächsten Tag wieder von vorne an.

 

Der französische Autor Joël Pommerat beleuchtet in seinem szenischen Kaleidoskop das zeitlose, immer im Wandel begriffene Sujet der Liebe. Klug und facettenreich webt Pommerat aus alltäglichen Situationen feinsinnige poetische Erzählungen. In unterschiedlichsten Konstellationen lässt er seine Figuren in absurd-abgründigen Szenen für die Liebe kämpfen und an ihr scheitern und stellt damit die Frage: Ist die Liebe vielleicht so unwahrscheinlich wie die Wiedervereinigung der beiden Koreas, oder lohnt es sich, die Hoffnung nicht aufzugeben?